Ein weiterer Versuch das Internet zu füllen

Samstag, November 10, 2007

Reifen-Prüfung

Ich sollte ja letztens was über meine Zeit beim Bund schreiben. Leider ist mir überhaupt nix interessantes eingefallen, weshalb ich dann etwas getippt hab, was ich als neu-künstlerischen Schreibstil bezeichne. Der Auftraggeber für diesen Post (PropheT) war leider gar nicht mit diesem Werk zufrieden und deshalb bin ich froh nun eine kleine Geschichte einreichen zu können, die sich aus den Tiefen meines Gehirns nach oben geschwurbelt hat:

Also, das muss so im Frühling 2000 gewesen sein. Ich war gerade Obergefreiter und bin im Transportzug als 10 Tonner-Fahrer tätig gewesen.

Der mächtige MAN 10 Tonner mil

Eines Tage beschloss nun wohl irgend so ein General von seinem gemütlichen Hauptquartier aus, dass es wohl mal wieder an der Zeit wäre eine kleine, einwöchige Übung an zu setzen.
Dazu mussten mit unseren 10 Tonnern (2 Mann pro Fahrzeug) von unserem Stützpunkt in Hermeskeil zum Truppenübungsplatz in Baumholder fahren, was auch eigentlich kein Problem war.

Dort angekommen kam dann wohl unser Zugführer auf die wundervolle Idee, dass wir einen viel besseren Eindruck machen, wenn der Beifahrer das MG3 auf die Dachlafette packt und während der gesamten Fahrt die Umgebung sondiert.

Ich hab dann mit meinem Beifahrer, dem OG Köhler, Schnick-Schnack-Schnuck gespielt, wer ans MG muss und wer fahren darf. Im Schnick-Schnack-Schnuck bin ich zum Glück unschlagbar, von daher durfte ich also fahren. Für ein paar Kilometer ging das ganze gut. Doch dann merkte man, dass Bundeswehrfahrzeuge nun nicht gerade neu sind. Kurzum, die Lafette ist vom Dach abgebrochen und OG Köhler sah sich nun in der Leicht verzweifelten Situation, während der gesamten Fahrt ein 12,5 kg MG nebst 5 kg Lafette davon abzuhalten sich von unserem Dach und in die Büsche zu verabschieden.

Was also tun? Am besten dem Zugführer Bescheid geben, dass man ein technisches Problem hat und die Kolonne bitte anhalten soll, damit wir das MG irgendwo verstauen können. Das war der Zeitpunkt an dem mir zum ersten Mal auffiel, dass unsere LKWs nicht mit einem Funkgerät ausgestattet sind, was in dieser Situation echt von Vorteil gewesen wäre.

Hinzukam noch, dass wir die letzten im Treck waren. Hätten wir angehalten, dann hätten wir die anderen verloren und wir hatten nicht mal nen Plan wohin wir eigentlich fahren mussten.

Die einzige Möglichkeit, die mir noch einfiel war, mit dem Fernlicht die ganze Zeit S.O.S. zu morsen, in der Hoffnung, dass es einer sieht. War natürlich nicht der Fall.

OG Köhler musste also noch etwa 10 weitere Kilometer das Scheiß-MG festhalten und war danach glaube ich froh, dass ihm die Arme nicht abgefallen sind! (Vielleicht wäre er froh gewesen WENN sie ihm abgefallen wären).

An unserem Bestimmungsort gab uns unser Hauptfeldwebel auch erstmal den Auftrag in eine nahegelegene Instantsetzung zu fahren, auf dass die uns die Lafette wieder anschweißen können.

Er hat uns dann auch ne Wegbeschreibung dorthin gegeben, die wir uns versuchten zu merken. Wir also wieder los. Diesmal durfte Kohler fahren.

Irgendwann kommen wir dann halt ein Lager und sehen, dass es das Ami-Lager von Bauholder ist. Und wir, jung und naiv, denken, dass unsere Instandsetzungstruppe vielleicht da drin ist.
Wir also dort ans Tor gefahren und dem schwarzen G.I. dort sowas erklärt wie: "Öh, we are from the Bundeswehr and we are searching our Instandsetzung. Can you please let us in?"

Und er ließ uns rein! (Ok, es war vor dem 11.09.01 (Übrigens der Geburtstag meiner Mama), aber trotzdem). Wir sind dann also dort im Lager rumgekurvt, haben aber die Scheiß-Inst. nicht gefunden, was vielleicht dran lag, dass wir natürlich im falschen Lager waren, was wir aber nicht wussten.

Nachdem wir eine Stunde dort rumgefahren sind und uns auch diverse Seargents und Corporals nicht weiterhelfen konnten, sind wir zum etwa 20. Mal durch einen Kreisel in der Mitte des Lagers gefahren. Der hatte eine wunderbare Besonderheit, denn in der Mitte des Kreisels stand ein etwa 1 Meter hoher Betonzylinder, der den gleichen Außendurchmesser hatte wie die Innendurchmesser des Kreisels.

Und soll ich euch noch was sagen? Wenn man zu eng durch diesen Kreisel fährt, dann ist die Betonkante des Zylinders genau in der richtigen Höhe um einen 10 Tonner Reifen aufzuschlitzen!

Zuerst haben wir gar nix gemerkt, nur irgendwann hörten wir ein Zischen und merkte auch, dass sich das Fahrzeug nach links neigt.

Wir halten also mitten im Ami-Lager an und beginnen den Reifen zu wechseln. Streng nach Handbuch natürlich, denn wir hatten keine Ahnung, wie man so was macht! Dass so ein Drecks-Reifen nahezu 100 kg wiegt war dann noch das geringste Problem. Das größere Problem waren die ständig vorbeijoggenden Amis, die uns auslachten, genau wie unsere Kameraden von der Bundeswehr, die uns irgendwann suchen kamen, weil wir 5 Stunden lang verschwunden waren.

In die Instandsetzung sind wir dann doch noch gekommen und unsere Lafette bekamen wir auch noch angeschweißt. aber nicht mehr an dem Tag.

Das einzige, was mich an DER Aktion jedoch wirklich gewundert hat war, dass wir nicht mal ne Verlustmeldung für den kaputten Reifen schreiben mussten.

4 Comments:

Blogger PropheT said...

Sehr gute Geschichte. *auf Schulter klopf* Du Held :-D

6:13 nachm.

 
Blogger Butterbemme said...

Ich hau mich weg.
Das gab doch bestimmt ein geiles Bild, son ein Zehntonner da im Kreisel.

P.S. - du hast dann wohl anscheinend deine Führerscheinprüfung bestanden...

11:32 nachm.

 
Blogger Madse said...

Unglaublich! keine Verlustmeldung. Trotzdem ne schoene geschichte. Jedem lachenden Ami haett ich irgendwas hinterhergeschmissen!

5:46 nachm.

 
Anonymous 205 45 r17 said...

Gott sei Dank gibt es noch Helden in Deutschland :)

1:59 nachm.

 

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